zwei wochen saigon
13.08.2009
Unsere Erkundungstour durch Ho Chi Minh City bringt uns zuerst zur Notre Dame Kathedrale, welche von den Franzosen vor etwas mehr als 100 Jahren gebaut wurde, es ist Sonntag und gerade Messe. Daneben steht das koloniale Gebaeude des Main Post office, gleich dahinter das Diamond Plaza, ein riesiges Shoppingcenter. Beim Gang durch die Tuer fuehlen wir uns in eine andere Welt katapultiert, waehrend draussen auf der Strasse eine Frau mit Kegelhut auf ihrer Garkueche am Boden sitzend Suppe kocht und fuer ein paar Rappen an die auf Plastikschemmeln sitzenden Gaeste verkauft, warten auf der anderen Seite der Glastuer Nike, Adidas, Clarks, Gucchi Geox und andere Luxuslabels, zu Preisen wie wir sie uns von daheim gewohnt sind, wenn nicht sogar teurer (meine Stretcher Turnschuhe kosten hier das doppelte, original Lego das 3fache, waehrend man auf dem Markt die immitierten fuer ein paar Rappen bekommt)… nach diesem “Kulturschock” machen wir uns auf die Suche nach dem ehemaligen russischen Markt, wo uns ein Billigeinkaufparadies im Reisefuehrer versprochen wurde… wir finden aber nur eine Baustelle eines gigantischen Shoppingcenters vor, der russische Markt musste wohl den Luxusguetern Platz machen… so viel erst mal zum geplanten Shopping in HCMC ;-)


Dani hat mal wieder irgwendwas gegessen, was er lieber nicht gegessen haette... Er ist nicht so fit und so machen Paula und ich die geplante Tour zu den Cu Chi Tunnels eben alleine. Wir haben einen sehr lustigen Guide, der im Bus eine geschlagene Stunde lang eine One-man-show macht. Er erzaehlt auf eine witzige Art und Weise Storries aus seinem Leben, welches kurz nach der Wiedervereinigung begonnen hat: von der Wiedervereinigung, den Umerziehungslagern, den rationierten Lebensmitteln, wie er einmal zwei verschieden grosse Schuhe bekommen hat, der Oeffnung nachdem Bill Clinton das Embargo aufgehoben hat, wie er mit 17 Jahren zum ersten mal MTV, Cartoon Network und Discovery Chanel gesehen hat, vom Internet, von Pepsi, Fanta, Pizza und Kentucky fried Chicken und von seinem dicken Neffen, welcher all diesen neuen Erungenschaften zum Opfer fiel... (ein Phaenomen, welches wir sehr oft, v.a. bei Uperclass-Kids beobachten) Dieser Mann ist 3 Jahre aelter als ich und erzaehlt die gleichen Geschichten aus seiner Kindheit wie ich sie von meinen Eltern aus der Nachkriegszeit kenne und heute lebt er in einem Land, welches die meisten Erungenschaften, die wir kennen auch haben. Es wird mir einmal mehr bewusst in welch rasanten Schritten sich dieses Land entwickelt.
Bei den Cu Chi Tunnels angekommen werden wir wieder zurueck katapultiert in die Zeit des Amerika-Krieges. Wir lernen wie hier 16'000 Menschen 20 Jahre lang in einem 200km langen Tunnelnetzwerk versteckt lebten und, unterstuetzt von den Vietcong aus dem Norden, einen Guerillakrieg gegen die Amerikaner fuehrten. Die Tunnels sind meist nur 1.2m hoch und 60cm breit, ich bin froh, dass ich nach ein paar Minuten wieder raus darf... Dort unten wurde gelebt, gekocht, geschlafen, gewaschen, gekaempft etc. ... unvorstellbar.

Unterwegs machen wir noch halt bei einer Werkstatt, wo behinderte Menschen wunderschoene Souvenirs aus Muschel- und Eierschalenstueckchen herstelle. Die meisten sind Opfer des Agent Orange, ein Enlaubungsmittel, welches die Amerikaner im Krieg einsetzten um den Guerillakriegern ihre Tarnung durch die Baeume zu nehmen. Das Gift hat die Erbbahnen langhaltig geschaedigt, so dass heute noch mehr behinderte Kinder in dieser Region zur Welt kommen. Paula gefaellt es sehr, sie darf auf dem Schoss einer Frau helfen ein Bild an zu malen, was ihr natuerlich sehr viel Spass macht, so dass wir fast unseren Bus verpassen.
Am naechsten Tag ist Dani wieder fit. Wir besuchen den Wiedervereinigungspalast, wo 1975 die Wiedervereinigung von Nord- und Suedvietnams beschlossen wurde. Danach wurde Hanoi zur Hauptstadt ernannt, die Sieger waren schliesslich die kommunistischen Vietcong aus dem Norden unter der Fuehrung von Ho Chi Minh. Seither scheint der Wiedereinigungspalast unbenutzt oder zumindest nie mehr renoviert... Beim Gang durch die verschiedenen Salons und Konferenzraeume fuehlt man sich so richtig in den 70er Jahren.
Im Keller ist der Komandobunker mit Funkanlage, Telegrammschreiber und diversen Landkarten, von wo aus Krieg gegen Norden gefuehrt wurde.


Zeit fuer eine Abkuehlung, wir besuchen einen der vielen Wasserparks hier, wir rutschen und plantschen in der gigantischen Badi. Lustigerweise haben wir unser Gepaeck auf dem Tisch einer vietnamesischen Familie deponiert, die gerade Verwandte aus Amerika zu Besuch hat, so entsteht schon bald ein Gelage mit froehlichem Austausch von Lebensmitteln. Unsere Toechter lieben die vietnamesischen Wuerstli und Aline isst etwa ein Kilo Litschi.
Zum Abschluss unternehmen wir noch eine 2 Tagestour ins Mekongdelta. Der Mekong ist riessig, Bruecken gibt es nur an schmalen Stellen, ansonsten ist man auf Faehren angewiesen, so dass man mit einem Fahrzeug nur schlecht voran kommt. Wir sind groesstenteils mit einem Schiff unterwegs, stundenlang fahren wir durch schmale Kanaele, welche mit Koospalmen gesaeumt sind, dass wieder durch ein Dorf, wo die Haeuser auf Pfaehlen bis ins Wasser hinaus gebaut sind, es folgt eine breite Ueberfahrt, dann wieder ein Netzwerk aus Kanelen. Wir besuchen unter anderem eine Kokoszaeltlifabrik, lernen wie man Reispapier und Reisnudeln herstellt und wie viele Produktionsschritte es braucht, bis man weissen Reis hat.



Am Morgen des zweiten Tages besuchen wir mit einem Ruderboot den groessten schwimmenden Markt im Delta. Die Leute kommen mit ihren Schiffen von weit her um ihre Waren an den Mann zu bringen. Jedes Schiff hat eine lange Stange, daran gebunden ist das Gemuese oder die Fruechte, welche verkauft werden. Es herrscht ein reges Treiben, einkaufen muss man logischerweise ebenfalls per Schiff…




Zurueck in Saigon besichtigen wir noch die letzten Sehenswuerdigkeiten, unter anderem die Pagode des Jadekaisers.

Und dann machen wir uns endlich ans Souvenirshoppen… Paula und ich machen einen Besuch beim Coifeur, das die Verstaendigung etwas schwierig ist, habe ich keine Ahnung, was es am Schluss kosten wird, wir lassen es uns gut gehen: Schneiden, Faerben fuer mich, Paula bekommt in der Zwischenzeit ihre Fingernaegel mit Blumenmuster bepinselt und mit der restlichen Farbe von mir noch ein paar Straenli gefaerbt, dann werden auch ihre Haare geschnitten… wir haben einen ganzen Nachmittag lang Spass und am Schluss kostet alles zusammen 15.—Fr. Und just einen Tag vor Abflug geht meine Brille noch in Brueche, ich mache mir schon Sorgen, wie ich so schnell noch zu einem Ersatz komme, aber zu meinem Erstaunen dauert es nur eine Stunde und meine neuen Brillen sind fertig... und ploetzlich vergeht die Zeit wie im Fluge, heute Abend fliegen wir schon wieder heim und am Montag beginnt fuer Paula der Kindergarten und fuer Dani eine neue Stelle... ich habe noch 2 Wochen Zeit um "an zu kommen", dann geht es auch fuer mich wieder los :-)
Zum Abschluss noch ein Video zur Kunst, eine Strasse in Vietnam zu ueberqueren. Wir haben zwei Monate fleissig geuebt. Ein Tour-Guide sagte mal: "Just close your eyes and keep on walking".































































